Sonntag, 20. Oktober 2013

Filmkritik: Inside WikiLeaks - Die fünfte Gewalt

Informationen:


Filmstart: 31. Oktober 2013
Regie: Bill Condon
Cast: Benedict Cumberbatch, Daniel Brühl, Moritz Bleibtreu, Alicia Vikander, Stanley Tucci

Länge: ca. 128 Minuten
FSK: ab 6 Jahren

Trailer:Inside WikiLeaks

Vorwort:


Aufgrund der Medienberichte um WikiLeaks, dürfte mittlerweile jeder von uns bereits von WikiLeaks gehört haben. Doch wenn wir ehrlich sind können vermutlich die wenigsten genau erklären worum es bei diesem Projekt geht/ging und was der Gedanke dahinter ist. Ich wusste, dass es um Transparenz geht. Doch da hörte es mehr oder weniger schon wieder auf. Genau deswegen war ich gespannt was "Inside WikiLeaks" zu bieten hat. Ich habe gehofft, dass man sich hier ein wenig an "The Social Network" hält, um dem Zuschauer einen Blick auf das Große und Ganze zu geben.

Kurzinhalt:


"Inside WikiLeaks" erzählt die Geschichte um die Webseite WikiLeaks und wie Julian Assange und Daniel Domscheit-Berg diese Plattform zu dem gemacht haben was sie ist. Während Julian Assange der Kopf des Projektes ist, fungiert Daniel Domscheit-Berg als zielstrebiger und engagierter "Jünger". Doch nach den ersten großen Leaks macht sich Euphorie breit und die Kritiken an dem Projekt wecken erste Zweifel auf. Denn obwohl WikiLeaks eine gute Sache verfolgt, werden moralische Fragen zu einem immer wichtigerem Thema, da man durch einige Leaks auch Menschenleben in Gefahr bringt und so entstehen Machtkämpfe innerhalb der WikiLeaks Community.

To Leak or not to Leak:


Das ist eine der großen Fragen in "Inside Wikileaks". Allerdings weniger darum ob geleakt wird, sondern eher wie viel man von Original leaken sollte. Julian Assange sagt, dass alles geleaked werden müsse um das vertrauen, der Whistleblower nicht zu verlieren. Die Allgemeinheit sagt, man sollte soviel leaken, um Misstände aufzudecken, sollte jedoch Personen, die in den Dokumenten genannt werden schützen. Eine moralische Frage, die zum denken und zum diskutieren anregt.

Der Cast ist der Hammer. Seien es Daniel Brühl, Benedict Cumberbatch oder Laura Linney. Sie alle machen hier einen guten Job. So gut, dass selbst der grandiose Moritz Bleibtreu ausnahmsweise nicht als Überflieger da steht. Leider wird man vorallem zu Beginn des Films häufig aus Szenen herausgerissen. Es gibt wahnsinnig schnelle Sprünge, die nicht nur in eine andere Szene sondern gleich um ein paar Monate und in ein anderes Land übergehen. Dadurch verliert man vor allem zu Beginn des öfteren den Überblick. Das liegt daran, dass man trotz der langen Laufzeit etwas über zwei Jahre in die zwei Stunden hinein bekommen musste. Da der größte Leak erst gegen Ende des Films passiert, wurde so Zeit gespart, um sich hinten raus auf die moralische Frage fokussieren zu können. Gegen Ende bekommt "Inside Wikileaks" eine komplett andere Dynamik. Man könnte sagen, dass der Film vorher eine dokumentarische Ader hatte, in dem Meilenstein um Meilenstein abgearbeitet wurde und nun der Übergang zum Film gelungen ist. So schaffte man es Anfangs viele Informationen und Hintergrundwissen zu verpacken und am Ende den Zuschauer mit einer gewissen Dramatik zu verwöhnen.

Dadurch schafft "Inside WikiLeak" das, was ich mir erwartet habe. Es gab eine Menge Informationen zu dem ganzen drum herum von WikiLeaks. Das ganze war so verpackt, dass es nie langweilig wurde. Es gab Denkanstöße und neue Sichtweisen, über die ich mir bislang gar nicht im klaren war. Ebenfalls fand ich es besonders interessant wie Bill Condon die Submission Plattform - Das Netzwerk / die Grundfesten von WikiLeaks - dargestellt hat. Ein riesiges Großraumbüro gefüllt mit Akten von Whistleblowern und WikiLeaks Mitarbeitern, die diese auf Echtheit prüfen. Einige der Anwesenden haben bei dieser Darstellung nur mit dem Kopf geschüttelt. Ich jedoch finde diese Darstellung mehr als gelungen und für jemanden der mit "Netzwerken" nichts anfangen kann absolut verständlich wiedergegeben.

Wer "The Newsroom" kennt wird verstehen, weshalb die für mich beste Szene in den Büros des Guardien spielt. Diese Dynamik, die man in Nachrichtenabteilungen zum Leben erwecken kann ist gigantisch. So auch hier. Man spürt förmlich wie die Luft brennt. Wie jeder an der Sache arbeitet. Das ist neben "The Newsroom" das zweite mal, dass ich dieses Gefühl in einer Nachrichtenredaktion in dieser Form erlebt habe.

 

Fazit:


Überzeugende Schauspieler, eine sehr reizvolle Geschichte mit moralischem Hintergrund, die zur Diskussion anregt. Das alles macht WikiLeaks zu einem interessanten Film. Besonders hervorzuheben ist, dass sich Bill Condon bei diesem Film nicht für eine Seite entscheiden wollte. Stattdessen wollte er etwas neutrales schaffen bei dem sich jeder seine eigene Meinung bilden soll. Das hat er meiner Ansicht nach geschafft. "Inside WikiLeaks"spiegelt viele Punkte wieder, die klar für WikiLeaks sprechen, aber ebenso Punkte die gegen die absolute Transparenz sprechen. Alles in allem ist der Film dadurch sehr ausgewogen. Aber man sollte beachten, dass der Film auf zwei Büchern basiert. Eines davon ist von Daniel Domscheit-Berg, wodurch die gesamte Sichtweise auf WikiLeaks in eine Richtung gedrängt wird, die nicht mehr ganz so neutral ist, auch wenn es so scheint.
Es gab vor allem zu Beginn des Films einige Schwächen, wie die schnellen Standortwechsel / Szenenwechsel, die den Film oftmals sehr auseinanderreißen. Vorallem die Schauspieler muss man auf der positiven Seite nennen. So kann man also sagen, dass nicht nur der Inhalt, sondern auch das Gesamtwerk durchwachsen ist.

Dementsprechend gibt es hier von mir durchaus gute 75%

Eure Meinung:



Mich würde natürlich wie immer auch eure Meinung interessieren. Wie steht Ihr zu WikiLeaks und wie fandet Ihr "Inside WikiLeaks"?


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